Das ZDF zeigt am 30.10.2016 Ein Sommer in Dänemark

Rasmus Botoft (MADS) und Sandra Borg (LENA). © ZDF / Christiane Pausch

Peter Sattmann (CARL) und Sandra Borg (LENA). © ZDF / Christiane Pausch

Lena Feldhusen reist, unter dem Vorwand einer Geschäftsreise, nach Kopenhagen um ihren Vater zu finden und steht schließlich vor einer Entscheidung: Alte Ängste hinter sich lassen und neues Vertrauen schöpfen oder allein bleiben. „Ein Sommer in Dänemark“ ist am Sonntag, den 30.10.2016, um 2o:15Uhr im ZDF zu sehen.

Die Übersetzerin Lena Feldhusen, 38, fährt nach Kopenhagen, um für die Übersetzung einer Biografie über die berühmte dänische Schriftstellerin Karen Blixen zu recherchieren. Zumindest behauptet sie das. Eigentlich treibt sie etwas ganz Anderes in die lässige Hauptstadt Dänemarks: die Suche nach ihrem Vater Carl Mortensen, 65, den sie seit frühester Kindheit nicht mehr gesehen hat. Schon auf der Hinfahrt mit der Ostseefähre zwischen Puttgarden und Rødby lernt sie den smarten Mads Søborg, 45, kennen.  Lena will aber keinen Mann kennenlernen und gibt Mads mehr als einen Korb. Bis Mads, selbst Karen Blixen Kenner und Leiter des gleichnamigen Museums, mit dem Charme eines Robert Redford und Safarizelt an einsamer dänischer Küste in einer romantischen Nacht Lenas Herz erobert.  Aber Lena traut ihren eigenen Gefühlen nicht.  Die Wunde des Verlassenseins sitzt tief, und ihr Vater entpuppt sich scheinbar als derselbe gewissenlose Egoist wie damals, als er sich von ihrer Mutter getrennt hat, um die Welt zu bereisen. Alles entwickelt sich anders als Lena es geplant hat. Carl konfrontiert sie mit Tatsachen, die nicht in ihr Bild von Familie passen.  Hin- und hergerissen zwischen Enttäuschung, Liebe und Misstrauen wird der Kopenhagen-Trip für Lena vor allem eins: eine Selbsterfahrung. Sie steht vor der Entscheidung, alte Ängste hinter sich zu lassen und neues Vertrauen zu schöpfen – oder allein zu bleiben.

Laut dem TV-Kritiker Rainer Tittelbach, macht der Film von Imogen Kimmel „[…] den Eindruck eines durchaus erwachsenen Melodrams, das mehr oder weniger klug mit den Klischees spielt. Es ist vor allem der Versuch, der Liebesgeschichte eine größere Dichte zu geben, nicht durch ausgedachte, „unrealistische“ Nebenplots, sondern durch biographische Spiegelungen und atmosphärische Diskurse. Das mag in der Art und Weise, wie die Liebesgeschichten des Vaters und der Tochter in Beziehung gesetzt werden (zerstört sie, wenn sie sich für Mads entscheidet, nicht das für die kleine Stine, nachdem sie sich einst als Kind so sehr gesehnt hat: eine heile Familie?), relativ konventionell sein, kann aber auch wie durch die spielerischen Einschübe der Blixen-Biographie Themen, insbesondere den Geschlechter- und Rollendiskurs, geschickt andiskutieren, Lebenshaltungen und historischen Wandel deutlich machen. Alles natürlich im Rahmen des Genres. Dieser Film von Imogen Kimmel nach dem Drehbuch von Katrin Ammon ist kein „ernsthaftes“ Drama, das empirisch der Wirklichkeit standhalten kann und will. Wenn hier etwas verhandelt werden soll, dann ist es die Politik der Gefühle – und da hat jeder dann seine sehr persönlichen Argumente und Sichtweisen. Die Macht der Gefühle wird allerdings hier nicht klein geredet oder gar wegrationalisiert. Darin ist der Film lange Zeit konsequent – auch wenn dem Genre weniger zugeneigte Zuschauer hier wohl wie immer „Küchenpsychologie“ wittern werden („Du hast Angst, verlassen zu werden“). Die besondere Qualität dieses gelungenen Beitrags aus der ZDF-Reihe „Ein Sommer in“, ist letztlich die Art und Weise, wie hier Bildmotive und Metaphern sinnlich & sinnhaft zusammengebunden werden, was sich sehr schön und plausibel in dem Satz „Weglaufen macht einsam“ verdichtet. Denn wer will schon wie Tania Blixen mit ihrem Hund begraben werden?!“