„Ein Sommer in Florida“ am 3. April 2016 um 20:15 Uhr im ZDF

Am Sonntag, den 3. April 2016 um 20:15 Uhr wird die romantische Komödie „Ein Sommer in Florida“ aus der ZDF-Reihe „Ein Sommer in“ ausgestrahlt.Produziert wurde der Fernsehfilm von Ariane Krampe und inszeniert von Michael Wenning. In den Hauptrollen sind u.a. Suzanne von Borsody, Anna Bullard-Werner und Matti Schmidt-Schaller.

Rainer Tittelbach schreibt:

Reisen verändert den Blick und schärft ihn fürs Wesentliche. Mit dieser Erfahrung, die der Fernsehzuschauer ja auch im Alltag immer wieder selbst machen kann, unterfüttert die ZDF-Reihe „Ein Sommer in…“ seit 2009 das romantische „Herzkino“-Konzept am Sonntag. „Ein Sommer in Florida“, Episode 19, besticht vor allem durch die Engführung von Narration, Psychologie und Schauplatz. Anders als beispielsweise in den kontemplativeren Island- und  Lanzerote-Filmen kommen hier nicht stressgeplagte Figuren runter von ihrem Alltags-Jetlag, sondern die vaterlose Familie aus dem kühlen Norden Deutschlands darf sich in der noch immer Neon leuchtenden Heimat von Crockett & Tubbs emotional ein wenig aufwärmen. Mutter und Sohn, zwei Bücherwürmer, entdecken ein Stück weit die Leichtigkeit des Seins; dass sie dabei ihre verkopfte Wesensart nicht völlig aufgeben – sprich: die Schauspieler ihre Figuren nicht verraten – müssen, gehört zu den Stärken des Films. Auch für die Tochter, das Gegenbild, anfangs eine oberflächliche und damit für manch einen Zuschauer schwer gewöhnungsbedürftige Shopping Queen, scheinen sich neue Perspektiven zu ergeben. Die Familienkonstellation hat Autorin Christine Hartmann – gemessen an einem Unterhaltungsfilm – psychologisch stimmig entwickelt. Das in TV-Melodramen so beliebte „Loslassen“ wird auch hier zum Herzstück der Handlung. Dadurch aber, dass die Betroffenen das „Thema“ selbst ansprechen und reflektieren, ja, dass selbst die Dopplung des Motivs, die Auswilderung der Schildkröte, zum Gegenstand eines Gesprächs über die flügge gewordenen Kinder wird, denen die Mutterglucke am liebsten auch einen Peilsender verpassen würde, bekommt das Mutter-Kind-Verhältnis die gebührende Alltagsnähe. Auch die Vernunft von Mutter und Sohn, das Übervorsichtige, hat gute Gründe. Und so bestätigt sich der erste Eindruck: Diese Figuren sind mehr als Marionetten, die an den Fäden der üblichen Schönwetterdramaturgie hängen.

…Miamis Reizflut und die sonnenverwöhnte Umgebung haben Regisseur Michael Wenning und sein Kameramann Angel Barroeta luftig, kontrastreich und sehr wirkungsvoll ins Bild gesetzt. Dominierte gerade noch die flott montierte Zeichenwelt der postmodernen Großstadt, finden sich Protagonisten wie Zuschauer wenig später in der Einsamkeit eines Strandes oder einer Flusslandschaft wieder. Große Sinnlichkeit atmet auch das Nachtleben im Film. Vom American Style einer Beach-Party geht es in einen Kuba-Club mit Live-Musik. Mit den Salsa-Rhythmen kommt Schwung in die Bilder; dass jeder genau weiß, was sich hier anbahnen wird, kann man da beinah vergessen. Das Lebensgefühl schiebt sich vor die Klischees. Die Locations mit ihrer glanzvollen Oberfläche und die fürs „Herzkino“ verhältnismäßige Tiefe einiger Charaktere überdecken das altgediente Handlungsmuster, das der Film – das darf bereits verraten werden – bedient. Konventionell ist auch Hartmanns Informationspolitik, was sensiblen Betrachtern in den ersten Minuten den Zugang etwas erschweren könnte: kein Nebensatz ohne eine essentielle Info über Henriette Stetter & Co. Der Zuschauer ist zwar dadurch rasch im Bilde, doch besonders sexy ist diese Art der Kommunikation nicht. Fast gänzlich außen vor bleiben wie zumeist auf diesem Sendeplatz die politischen Zwischentöne. Da muss der eine oder andere Dialogsatz genügen – über das aufgehobene Handelsembargo Kubas, das nur den Reichen und der Regierung nutze, oder über hiesige Geflogenheiten: „Die können uns doch nicht einfach einsperren“, echauffiert sich die Heldin, nachdem sie und ihr Lover bei illegalen Tierhändlern eingebrochen waren. Antwort des Exil-Kubaners: „Du hast keine Ahnung, was die Amis so alles können.“ Aber in „Ein Sommer in Florida“ gibt es nicht nur markante Sätze, sondern immer wieder auch Bilder, die vor allem zu Herzen gehen. Einmal liegen die Zwillinge eng umschlungen und schlafend auf der Couch und die Mutter deckt sie zu. Eine andere Szene zwischen Henriette und ihren „Kindern“ im Schlussteil ist besonders nah am Wasser gebaut. Diese Gefühle funktionieren so gut, weil die Macher die Zuschauer, besonders Eltern mit (fast) erwachsenen Kindern, bei ihren eigenen Erfahrungen abholen, anstatt den Emotionspegel künstlich hochzuziehen.“

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